Im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften am 6.6.2026 würdigte das Collegium Hungaricum Berlin das Leben und Werk der Bauhaus-Künstlerin und Textilgestalterin Otti Berger (1898-1944). Der bisher nur Werkstatt genannte Multifunktionsraum in der dritten Etage des Instituts erhielt offiziell den Namen der herausragendenden Künstlerin.
Aus diesem Anlass fand in der neuen Otti-Berger-Werkstatt auch eine Handweb-Workshop-Reihe mit der ungarischen Künstlerin Orsi Orban statt: Bauhaus neu verweben ehrte Otti Berger mit einer theoretischen Einführung in Gestaltungsprinzipien, Produktionsweisen und Materialien, gefolgt von einem kreativ-praktischen Teil, in dem die Teilnehmenden ein eigenes gewobenes Objekt gestalten und mit nach Hause nehmen konnten.
Unsere Otti-Berger-Werkstatt bietet künftig Raum für Seminare, Workshops und Ungarischkurse, zeitweise auch für Solo-Installationen und Studioaufnahmen. Ein Abteil der Werkstatt beherbergt das Institutsarchiv, dessen Erschließung seit Jahren auf unserer Agenda steht.
Otti BERGER
Vörösmart/Zmajevac, 1898 – Auschwitz, 1944
Nach dem Studium an der Königlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe in Zagreb immatrikuliert sie sich 1927 am Bauhaus Dessau. Dort entwickelt sie innovative Stoffe, experimentiert mit neuen Materialien und industriellen Herstellungsmethoden. Zeitweise übernimmt sie die Leitung der Weberei-Werkstatt. 1932 eröffnet die Vorreiterin des Textildesigns in Berlin-Charlottenburg ein eigenes Atelier und arbeitet mit berühmten Vertretern der Klassischen Moderne zusammen, entwirft u. a. die textile Innenausstattung für Hans Scharouns Löbauer Haus Schminke. Die Bemühungen, ihre Kreationen patentieren zu lassen, zählen zu den ersten Zeugnissen eines erfolgreichen Künstlermarketings. Wegen ihrer jüdischen Herkunft wird sie 1936 mit Berufsverbot belegt, verlässt Deutschland und kehrt nach kurzem Aufenthalt in London nach Jugoslawien zurück. László Moholy-Nagy lädt sie 1938 ans New Bauhaus nach Chicago ein, aber sie bekommt kein Visum. 1944 wird Otti Berger im KZ Auschwitz ermordet.
Fotos: Hajnal Szolga © Collegium Hungaricum Berlin





