Dorotheenstraße 12, 10117 Berlin
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Das Collegium Hungaricum Berlin (CHB) beteiligt sich erneut an der Langen Nacht der Wissenschaften Berlin und ehrt dieses Jahr mit einem bunten Programm zwei wichtige Persönlichkeiten des Bauhauses: den bahnbrechenden Design-Wegbereiter Marcel Breuer, und die großartige Künstlerin und Textilgestalterin Otti Berger. Die Veranstaltung bietet eine Sommernacht mit Podiumsdiskussionen, Screenings, kreativen Workshops und einer Pop-Up-Installation.
Wassily Sessel aus dem Sommerhaus von Marcel Breuer in Cape Cod, Knoll-Produktion, 1960er Jahre (Foto: Gábor F. Tóth, Róbert Hack © MÉM MDK)
Vor 100 Jahren, am 17. Januar 1926 stellte Marcel Breuer (1902–1981) bei einer Bauhaus-Ausstellung in Dessau erstmals den Prototyp seines Stahlrohrsessels B3 der Öffentlichkeit vor. Damit begann der Siegeszug dieses heute als „Wassily Sessel“ bekannten Möbelstücks. Das Datum, überliefert in Briefen und Tagebucheinträgen, markiert den Ursprung der heutigen weltweiten Verbreitung der modernen Stahlrohrmöbel. In der Langen Nacht der Wissenschaften ehren wir Breuer, der 1925 bis 1928 die Möbelwerkstatt am Bauhaus leitete und später überwiegend als Architekt in Berlin, London, Budapest sowie ab 1937 in den Vereinigten Staaten tätig war.
In der diesjährigen LNDW wird außerdem der Raum „Werkstatt“ des CHB offiziell in „Otti-Berger-Werkstatt“ umbenannt, nach der herausragenden Textilgestalterin Otti Berger (1898–1944), deren experimentelle Techniken und Materialien die Weberei erneuerten. Berger war ab 1927 am Bauhaus tätig, dort übernahm sie zeitweise die Leitung der Weberei-Werkstatt. Unser Programm ehrt ihr künstlerisches Schaffen und ihr damals beispielloses Bestreben um Patentschutz für die eigenen, auch technisch herausragenden Kreationen. Otti Berger erhielt 1936 Berufsverbot wegen ihrer jüdischen Herkunft, 1938 lud sie zwar Moholy-Nagy ans New Bauhaus ein, doch ihr Visum wurde abgelehnt. 1944 wurde sie in Auschwitz ermordet.
P R O G R A M M E
B3 UND BEYOND: Marcel Breuers Möbelrevolution
PRÄSENTATION & TALK
19:00, 21:00
Zum 100-jährigen Jubiläum des berühmten Wassily Sessels tauchen wir in das lebendige Bauhaus-Erbe ein: Der deutsche Kunsthistoriker Christoph Janik und die ungarische Museologin Ágnes Anna Sebestyén präsentieren jeweils drei bedeutende Möbelstücke des in Ungarn geborenen Bauhaus-Wegbereiters Marcel BREUER, der Materialität, Form und Funktion neu definierte. Im Fokus steht der epochale B3-Stahlrohrsessel, ergänzt durch Highlights aus Breuers Werk und der Sammlung des Ungarischen Architekturmuseum und Dokumentationszentrum für historische Denkmäler. Die Kurzvorträge wechseln sich ab, gehen in ein offenes Gespräch über und laden zum Mitdiskutieren ein.
Christoph Janik, Kunsthistoriker; studierte in Eichstätt (Bayern) und an der Berliner Humboldt-Universität, selbstständiger Bauforscher in Berlin, Wiese & Janik – Büro für Denkmalpflege. Als langjähriger Mitarbeiter der Bröhan Design Foundation in Berlin betreute er zahlreiche Publikationen, u.a. über den Grafikdesigner Wilhelm Deffke (Zürich 2013) und zur Geschichte der modernen Stahlrohrmöbel den umfassenden Band Stahlrohrrevolution. Kálmán Lengyel, Marcel Breuer, Anton Lorenz und das Neue Möbel (Stuttgart 2023). Zuletzt erschien, zusammen mit Anja Wiese, der Beitrag Mäusebunker – Die Zentralen Tierlaboratorien der Freien Universität Berlin, in: Ludwig Heimbach (Hrsg.): Mäusebunker und Hygieneinstitut. Eine Berliner Versuchsanordnung. Berlin 2025.
Ágnes Anna Sebestyén ist eine in Budapest ansässige Kunst- und Architekturhistorikerin und seit 2015 Kuratorin am Ungarischen Architekturmuseum und Dokumentationszentrum für historische Denkmäler. Sie promoviert im Fach Design Culture Studies an der Moholy-Nagy-Universität für Kunst und Design in Budapest. Ihr Masterstudium in Kunstgeschichte absolvierte sie an der ELTE-Universität in Budapest und an der Universität Leiden. Sie verfügt über kuratorische Erfahrung in der Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts und Forschungskompetenz in der modernen Architektur und Architekturfotografie, mit Fokus auf Ungarn der Zwischenkriegszeit und ungarische Emigranten. Sie ist Kuratorin der Marcel-Breuer-Sektion der laufenden Ausstellung Breuer, Goldfinger and Other Magyars – Brutalist Architecture in and out of Hungary und Autorin des Begleitbuchs zur Breuer-Sammlung des Architekturmuseums.
woven 3 © Orsi Orban
Otti-Berger-Werkstatt: Bauhaus neu verweben
WORKSHOP
18:00, 20:00, 22:00
Ein Textilworkshop für Alle: Die ungarische Künstlerin Orsi Orban führt in die Welt der Bauhaus-Künstlerin und Weberin Otti BERGER ein, deren Namen ein Raum des Collegium Hungaricum ab dem 6. Juni trägt. Auf eine kurze theoretische Einführung in Gestaltungsprinzipien, Produktionsweisen und Materialien folgt ein praktischer Teil, in dem die Teilnehmenden ein eigenes gewobenes Objekt gestalten und mit nach Hause nehmen können.
60 Minuten, Anmeldung erforderlich unter buero@hungaricum.de, mit Angabe des gewünschten Slots (18, 20 oder 22 Uhr). Übrig gebliebene freie Plätze werden am Ort vergeben. Hauptsprache Deutsch, darüber hinaus auch Englisch und Ungarisch.
Orsi Orban ist eine in Berlin ansässige multidisziplinäre Künstlerin und Designerin mit großer Leidenschaft für Textilien, Strukturen, modulares Design und Innovation. Ihre Arbeit lässt sich am besten als Ergebnis einer stark mathematischen und systemorientierten Denkweise beschreiben. Mit einem analytischen Ansatz erforscht und erprobt sie verschiedene Wege der Gestaltung von Oberflächen, Mustern und dreidimensionalen Formen.
orsiorban.com
Bauhaus Berühren: Objekte von heute
POP-UP-INSTALLATION
17:00 bis 24:00, durchgehend
Wie sieht die heute so gehypte B3-Stuhl-Reproduktion in echt aus? Was fasziniert uns an dem experimentellen Kugeltheatermodell von Andor WEININGER? Anhand ausgewählter Gegenstände zeigt unsere Mini-Installation besondere Bezüge der Gegenwart zum originalen Bauhaus. Eine 3D-Ausstellung zu László MOHOLY-NAGY und seinen Zeitgenossen wird auf Touchscreen erlebbar, ein Büchertisch mit Fachliteratur und Alben lockt zum Reinblättern.

Das Kugeltheatermodell von Andor Weininger © Collegium Hungaricum Berlin
Gelebtes Bauhaus: Kurzfilme in der Kinobox
FILM (DE)
17:00 bis 24:00, durchgehend
Auch unser filmischer Rahmenprogramm widmet sich den zwei großartigen Persönlichkeiten der Bauhaus-Bewegung, Otti BERGER und Marcel BREUER. Die Kurzdoku Erfindungshöhe der Berliner Künstlerin Judith Raum (17 Min, 2024) ehrt die Textilgestalterin Otti Berger und ihr Bestreben um Patentschutz für die eigenen, auch technisch herausragenden Gewebe. Die schwarz-weiße Filmsequenz Neues Wohnen aus der Serie Wie wohnen wir gesund und wirtschaftlich? (14 Min, 1926) zeigt die Wohnung von Walter Gropius in Dessau – darunter auch einen schicken Stahlrohrsessel von Breuer. Mit freundlicher Unterstützung des Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung und Judith Raum.
Querschnitt: Rundgang im Neo-Bauhaus-Gebäude
FÜHRUNG (DE)
18:00, 20:00
Form folgt Funktion: Das 2007 fertiggestellte Gebäude des Collegium Hungaricum Berlin, entworfen von dem Architekten Peter P. Schweger, ruft die Grundästhetik des Bauhauses in Erinnerung und macht dadurch auf eine Bewegung der Moderne aufmerksam, die Ungarn und Deutschland miteinander verbindet. Im Rahmen eines geführten Rundgangs zeigt die ungarisch-schweizerische Architektin Alma Grossen auch die sonst unsichtbaren Räume des sechsstöckigen Hauses und die Art und Weise, wie man „die Bausprache” liest und versteht.
Treffpunkt vor der Rezeption (EG) um 18 und 20 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Führung findet in deutscher Sprache statt, die Architektin steht Ihnen aber auch auf Englisch und Ungarisch zur Verfügung.
Late-Night-Bauhaus: Fassadenkino
SCREENING
23:00 Uhr
Für die Stunde vor Mitternacht verwandelt sich das Panoramafenster des Collegium Hungaricum mit Blick auf den Boulevard Unter den Linden in eine Lichtprojektion, die László MOHOLY-NAGY und dem Bauhaus gewidmet ist. Der Bauhaus-Gestalter tritt damit in Interaktion mit dem modernen und imposanten Neo-Bauhaus-Gebäude des ungarischen Kulturinstituts. Die kreativen Animationen der ungarischen Kunstuniversität MOME runden die lange Nacht ab.
Fassadenkino. Barbara Antal © Collegium Hungaricum Berlin
Eintritt und weitere Informationen
Unser Event ist Teil der offiziellen LNDW-Programme, der Eintritt ist daher nur mit einem gültigen Ticket möglich. Der Online-Vorverkauf hat bereits begonnen, Sie können hier Ihre Karten im Voraus kaufen. Am Abend des 6. Juni können Sie die Karten vor Ort ebenfalls nur online, auf Ihrem Handy kaufen, eine Abendkasse gibt es bei uns nicht.
Die Tickets berechtigen zum Besuch aller Einzelveranstaltungen in den teilnehmenden Einrichtungen. Außerdem können mit den Tickets die eingesetzten Sonderbusse zur Veranstaltung kostenfrei genutzt werden. Inhaber:innen eines Behindertenausweises können mit ihrem Ticket eine Begleitperson kostenfrei mitbringen.
Unsere Räumlichkeiten sind rollstuhlgerecht.
Weitere Informationen
Projektleiter: Gergő Kovács
Kontakt: Collegium Hungaricum Berlin (CHB)
Dorotheenstraße 12, 10117 Berlin
presse [at] hungaricum.de
Tel.: +49 30 2123480