Quo vadis Deutschland und Ungarn?

Eine Podiumsdiskussion mit Noémi Kiss, Elisabeth Knab, Frank Spengler

Datum: 2 Oktober
Zeitpunkt: 17:00
Ort:  Liszt Institut Stuttgart
70178, Christophstr. 7.

Moderation: Boris Kálnoky, Journalist, Leiter der Medienschule des Mathias Corvinus Collegiums
Grußwort: Stefan Schubert, Leiter des Europa-Zentrums Stuttgart

Das Liszt-Institut steht als Ungarisches Kulturzentrum seit 35 Jahren im Dienst des Dialogs zwischen unseren Ländern. Dieser ist in den letzten Jahren jedoch etwas ins Stottern geraten, wobei Meinungsverschiedenheiten durchaus zu akzeptieren sind, doch sollten sie keine Rechtfertigung dafür sein, wichtige Dialoge einzufrieren. Bei unserer Podiumsdiskussion möchten wir die ungarischen und deutschen Positionen in einen realistischen Interpretationsrahmen rücken, um einige Missverständnisse, mechanisch übernommene, gebetsmühlenartig wiederholte Quasi-Mythen auf beiden Seiten auszuräumen. Natürlich unter Wahrung aller berechtigten kritischen Optionen – und dies unter Mitwirkung von Persönlichkeiten, die trotz ihrer Unterschiedlichkeit eint, dass sie im Spannungsfeld der deutsch-ungarischen Beziehungen leben und arbeiten.

Eintritt frei, Anmeldung erwünscht auf culture.hu/de/stuttgart beim Programm oder: uki-s@uki-s.de

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Mitwirkende

Boris Kálnoky, Journalist, Leiter der Medienschule MCC
Nach einem politikwissenschaftlichen Studium in Hamburg begann er 1987 seine journalistische Laufbahn bei der Tageszeitung Die Welt, wo er 1989 Außenpolitik-Redakteur wurde. Ab 1993 berichtete er als freier Korrespondent aus Budapest, später festangestellt als Südosteuropa-Korrespondent. Über viele Jahre hinweg berichtete er aus Budapest über politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen in der Region und entwickelte sich zu einer profunden Stimme im deutschsprachigen Journalismus über Mittel- und Osteuropa. Auch nach seiner Zeit als Korrespondent im Nahen Osten mit Sitz in Istanbul kehrte er nach Ungarn zurück: Seit 2015 arbeitet er in Budapest als ständiger freier Mitarbeiter für Die Welt, Die Presse und die Weltwoche. Seine umfassende Kenntnis der ungarischen Verhältnisse bringt er seit 2020 auch in die journalistische Nachwuchsförderung ein. Als Leiter der Medienschule des Mathias Corvinus Collegium (MCC) in Budapest prägt er die Ausbildung junger Talente, die im Spannungsfeld zwischen nationalen und internationalen Medienmärkten tätig werden.

 

Dr. Noémi Kiss, Germanistin, Schriftstellerin

Ihre Bücher sind in mehreren Sprachen erschienen, unter anderem auf Deutsch beim Europa Verlag in München sowie beim Danube Books Verlag. In Deutschland, Österreich und der Schweiz wurden ihre Werke mehrfach ausgezeichnet. Sie schreibt gesellschaftskritische Texte, veröffentlicht regelmäßig, beteiligt sich an Debatten und setzt sich für Frauenrechte ein. Mehrfach unterrichtete sie an Schreibschulen. Für die Rubrik Freitext von Die Zeit Online ist sie feste Autorin. Sie hält regelmäßig Lesungen auf Ungarisch, Deutsch und Englisch, ist Mitglied der Berliner Organisation A Soul for Europe und veröffentlicht zudem im Journal der Künste der Deutschen Akademie der Künste. „Ich wurde 1974 in Gödöllő geboren, habe zuerst geschwommen, dann Wasserball gespielt und nebenbei gelernt, mich schriftlich auszudrücken. Ich sehe mich gern als mitteleuropäische Autorin. Wenn ich nicht schreibe, lese ich unermüdlich. Wichtige Themen für mich sind die Donau und die Welt der ungarischen Dörfer, aber ebenso Bukowina, Galizien und Siebenbürgen. (...) Ich bin Mutter von Zwillingen, einem Mädchen und einem Jungen.“ (Noémi Kiss)

 

Dr. Elisabeth Knab, Gründungspräsidentin der Trägerstiftung der Széchenyi István Universität Győr, Vorsitzende des Deutsch-Ungarischen Jugendwerks

Als Angehörige der deutschen Minderheit in Ungarn bildet die deutsch-ungarische Beziehung die zentrale Lebensachse ihres persönlichen wie beruflichen Wirkens. Sie studierte Deutsch und Geschichte in Greifswald und promovierte an der Universität Pécs. Ihre wissenschaftliche Laufbahn begann an der Eötvös-Loránd-Universität Budapest. 1994 wurde sie Direktorin des Ungarndeutschen Bildungszentrums in Baja, das unter ihrer Leitung zu einem international anerkannten Modell europäischer Bildungsintegration wurde. Sie gründete zudem die Mercedes-Benz-Schule, die Audi Hungaria Schule und die Bosch-Schule. Als Direktorin war sie an den Vorbereitungen des Abkommens über die schulische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Ungarn beteiligt. Später war sie Vizepräsidentin der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, Mitglied mehrerer gemischter Regierungskommissionen und neun Jahre lang Vorständin für Personal und Organisation bei Audi Hungária Zrt. sowie Gründungspräsidentin der Trägerstiftung der Széchenyi Universität. Seit April 2023 ist sie ehrenamtliche Vorsitzende des Deutsch-Ungarischen Jugendwerks. Für ihre Verdienste erhielt sie unter anderem das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse sowie die Ehrung der Ungarischen Akademie der Wissenschaften.

 

Frank Spengler, Berater des Deutsch-Ungarischen Instituts am MCC, Leiter des Budapester Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung a.D.

Nach einem Studium der Wirtschaftswissenschaften und langjähriger internationaler Tätigkeit innerhalb der Konrad-Adenauer-Stiftung, unter anderem in Tansania, Simbabwe, Sambia, Südafrika, Tschechien und der Slowakei, übernahm er 2012 die Leitung des Auslandsbüros der Stiftung in Ungarn. Dort setzte er entscheidende Akzente für den deutsch-ungarischen Dialog, förderte die politische und zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit und vertiefte die wirtschaftlichen Beziehungen. Seine Arbeit zeichnete sich durch ein besonderes Engagement für den Ausbau stabiler Partnerschaften mit ungarischen Institutionen, Wissenschaftseinrichtungen und kommunalen Akteuren aus. Sein Wirken wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Offiziers- und dem Kommandeurskreuz des Ungarischen Verdienstordens, dem Antall-József-Preis und dem Preis der Deutsch-Ungarischen Freundschaft. Seit 2021 ist er Berater des Deutsch-Ungarischen Instituts für Europäische Zusammenarbeit am Mathias Corvinus Collegium. Zudem engagiert er sich im Beirat „DialogUngarn“ und seit 2025 im Kuratorium des Deutschen Wirtschaftsclubs in Ungarn.