Magyar Neo-Avantgarde in den 1960er/1970er Jahren

Datum: 11 November 2022 - 27 Januar 2023
Ort:  Collegium Hungaricum Berlin
Dorotheenstraße 12, 10117 Berlin

Eröffnung: 10.11.2022, 19:00 Uhr
im Collegium Hungaricum Berin

Geöffnet: Mo-Fr 13:00-18:00
11. November - 20. Dezember 2022
sowie 9.-27. Januar 2023
Eintritt frei

Imre Kocsis: XXXII - Schwarz und weiß, 1974, Acryl auf Nesseldreiteiliges Objekt, je 45 x 45 x 3 cm, 3/1, © Sammlung Böhm

Imre Kocsis: XXXII - Schwarz und weiß, 1974, Acryl auf Nesseldreiteiliges Objekt, je 45 x 45 x 3 cm, 3/1, © Sammlung Böhm

Progressive Rückkehr zur klassischen Avantgarde, neue Abstraktion: Seit 1960 entdeckte die inoffizielle Kunstszene Ungarns nach und nach die avantgardistischen Bewegungen der klassischen Moderne und der Zwischenkriegszeit für sich. Indem sie bemüht war die unterbrochenen Traditionen fortzusetzen, wollte sie zugleich an die aktuellen internationalen Tendenzen anknüpfen. Die Künstler*innen der „zweiten Öffentlichkeit” traten mit einem Programm auf, das die konventionellen Gattungsgrenzen aufhob. Ihre Arbeiten waren von Progressivität und Erneuerungsbestrebungen durchdrungen und durch formale, technische und theoretische Erkundungen der künstlerischen Praxis gekennzeichnet – im scharfen Gegensatz zur offiziellen sozialistisch-realistischen, ab den 1960-er Jahren dann mehr und mehr sozialistisch-modernen Kunstauffassung.

Géza Perneczky: Drei Figuren mit Maske, 1964, Farbmonotypie auf Papier, 15 x 34 cm | Mit freundlicher Genehmigung des Petőfi Literaturmuseums

Géza Perneczky: Drei Figuren mit Maske, 1964, Farbmonotypie auf Papier, 15 x 34 cm | Mit freundlicher Genehmigung des Petőfi Literaturmuseums

Zwischen 1968 und 1978, im sogenannten „großen Jahrzehnt der ungarischen Neo-Avantgarde” (Katalin Néray) spielten die ersten ungarischen Happenings (1966, 1967), die Ausstellungen der Iparterv-Generation (1968, 1969) sowie die Sommerausstellungen in der Atelier-Kapelle in Balatonboglár (1970–1973) eine besonders wichtige Rolle.

„Die Avantgarde (...) fühlt sich gleichzeitig in allen Kunstgattungen zu Hause”, meinte der wichtigste ungarische Kunsttheoretiker der Epoche, László Beke. Für den Autor und Typographen Tibor Papp, Mitbegründer der Pariser Avantgardezeitschrift Magyar Műhely (Ungarische Werkstatt), war sie „nicht nur eine Kunstrichtung, sondern eine Lebensform”.

Die Ausstellung im Collegium Hungaricum Berlin zeigt Werke von Künstler*innen, die während ihrer Laufbahn mit Deutschland verbunden waren und es teils immer noch sind. Die Gemälde, Grafiken, Skulpturen, Objekte, Fotos, Film- und Videoarbeiten bringen dem Berliner Publikum eine bedeutende Periode der ungarischen Kunst des 20. Jahrhunderts nahe.

Künstler*innen: Gábor Altorjay, Gábor Attalai, Imre Bak, János Baksa-Soós, Endre Bálint, Gábor Bódy, Attila Csáji, János Fajó, Ferenc Ficzek, Krisztián Frey, György Galántai, Tibor Hajas, István Harasztÿ, Tamás Hencze, Lajos Kassák, Imre Kocsis, Tamás Konok, László Kósza Sipos, Attila Kovács, Katalin Ladik, László Lakner, Dóra Maurer, László Méhes, István Nádler, Géza Perneczky, Sándor Pinczehelyi, Endre Tót, Katalin Vimmer (Ro.Ka.Wi.)

Leihgeber: Artpool Zentrum für Kunstforschung, Galerie acb, Tamás Cseh Archiv, Galerie Haas, Istvánné Harasztÿ, Lajos Kassák Gedenkmuseum, Galerie Kisterem, Galerie Körmendi, Ludwig Museum – Museum für Zeitgenössische Kunst Budapest, Filmarchiv des Nationalen Filminstituts, Galerie Neon, Petőfi Literaturmuseum, Sammlung Josef Böhm, Studio Géza Perneczky (Patrick Urwyler)

Die drei Ausstellungen Magyar Modern. Ungarische Kunst in Berlin zwischen 1910 und 1933 (Berlinische Galerie, 4.11.22–6.2.23), Magyar Neo-Avantgarde in den 1960er/1970er Jahren (Collegium Hungaricum Berlin, 11.11.22–27.1.23) und Das Erbe der Avantgarde in Ungarn (Galerie Kunstwerkberlin, 18.11.22–27.1.23) bieten zusammen vielfältige Einblicke in drei wichtige Perioden der ungarischen Kunstgeschichte der letzten hundert Jahre.

Kurator: László Sípos

Koordination: Zsuzska Petró