Leipzig liest extra!

Datum: 27 Mai - 30 Mai
Ort:  Leipziger Buchmesse
Stadt Leipzig & digital
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Leipzig liest extra!

Nach Absage der Leipziger Buchmesse gibt es dennoch Grund zur Freude! Die Sonderausgabe des Lesefestes „Leipzig liest extra“ ermöglicht vom 27. bis 30. Mai internationale Begegnungen mit Autor:innen – digital und je nach Möglichkeit auch im Leipziger Stadtgebiet. Aus Ungarn sind starke Frauenstimmen dabei. Zwei Vertreterinnen der Gegenwartsliteratur, Noémi Kiss und Anna Terék, stellen ihre Neuerscheinungen vor.

Darüber hinaus dürfen Sie sich auf ein Buchgespräch mit Timea Tankó anlässlich ihrer Erstübersetzung von Miklós Szentkuthys „Apropos Casanova“ freuen, das in der Kategorie Übersetzung für den Preis der Leipziger Buchmesse 2021 nominiert wurde.

László Végel ist mit seinem Essay „Die Waisen von Europa“ im Programm „Archipel Jugoslawien. Von 1991 bis heute“ von Traduki zu Gast. Végel, der sich selbst als „heimatloser Lokalpatriot“ bezeichnete, ist Angehöriger der ungarischen Minderheit in Serbien. Zusammen mit den Schriftstellern Drago Janèar und Slobodan Šnajder nimmt er an der Online-Veranstaltung „Nostalgie und ihre Fallstricke“ teil.

Glücklicherweise wird ausgezeichnete Literatur auch in diesem Jahr wieder gewürdigt: Der Leipziger Buchpreis zur europäischen Verständigung ging 2020 an den ungarischen Essayisten, Kunsttheoretiker, Literaturkritiker und Übersetzer László Földényi für sein Buch „Lob der Melancholie. Rätselhafte Botschaften“. Der Festakt zur Preisverleihung wird am 26. Mai 2021 in der Nikolaikirche nachgeholt und kann per Livestream mitverfolgt werden. Geehrt wird außerdem der diesjährige Preisträger, der britische Essayist, Schriftsteller und Fotograf, Johny Pitts für sein Werk „Afropäisch".

Wir wünschen ein erlesenes Lesefest mit spannenden ungarischen Autor:innen und drücken Timea Tankó die Daumen für die Auszeichnung zur besten Übersetzung! Die Verleihung des Preises der Leipziger Buchmesse findet am 28. Mai, ab 16 Uhr digital statt.

Noémi Kiss (© Lenke Szilágyi), Anna Terék (© Sándor Ács), Timea Tankó (© Barbara Antal) 

29. Mai 2021, Samstag, 18:30 – 20:00
die naTo, Karl-Liebknecht-Straße 46, 04275 Leipzig // online
Weibliche Stimmen der ungarischen Gegenwartsliteratur
Lesung und Gespräch 

Noémi Kiss: Balaton
Erinnerungslandschaft Plattensee 

Prosaische Stimmungsbilder eines Sehnsuchtsortes, an dem Weltgeschichte geschrieben wurde. 

Der Plattensee: Wahrzeichen Ungarns und in den 1980er Jahren beliebtes deutsches Urlaubsziel. Hier lagen Ost- und Westdeutsche einträchtig nebeneinander am Strand, durch den Mauerbau getrennte Familien machten gemeinsam Ferien. Es war ein Ort der gelebten Wiedervereinigung, lange bevor die Mauer fällt. Noémi Kiss fängt wie keine andere in ihren Novellen die besondere Stimmung dieser Zeit vor dem totalen Umbruch ein, lässt ihre angespannte, abwartende Stille geradezu greifbar werden.

Die Autorin Noémi Kiss im Gespräch mit Jörg Plath. 

Noémi Kiss: Balaton. Novellen. Aus dem Ungar. von Eva Zador. Berlin; München; Wien; Zürich: Europa Verlag, April 2021. ISBN 978-3-95890-363-0

Anna Terék: Tote Frauen
Poesie aus der Vojvodina 

Mit fast unerträglicher Intensität entspannt Anna Terék in ihrer Lyrik Lebensgeschichten von heute. Ihr Gedichtband „Tote Frauen“ ist unter den Lyrik-Empfehlungen 2021, die die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung zum Welttag der Poesie am 21. März bekannt gegeben hat. 

Anna Teréks Gedichte vereinen die Schicksale von fünf Frauen. Frauen, von einer Last erdrückt, deren Stimmen und Geschichten kunstvoll miteinander verwoben sind. 

Da sind Jelena, die serbische Mutter, die ihre Kinder verliert, und das Mädchen Maja aus Sarajevo mit ihrem Trauma aus dem Krieg. Da ist die Heilung von Judit, der jungen Krebspatientin, und die aus Sibirien nach Paris emigrierte Olja. Sowie jene Frau aus dem Gedicht "Insel", die ihren fanatisch religiösen Mann betrügt. 

Die in der Vojvodina geborene Lyrikerin Anna Terék im Gespräch mit der Lyrikerin und Übersetzerin Orsolya Kalász, Moderation: Jörg Plath 

Anna Terék: Tote Frauen. Gedichte. Aus dem Ungar. von Orsolya Kalász und Eva Zador. Berlin: KLAK Verlag, 2020. ISBN 978-3-948156-26-8 

Eine gemeinsame Veranstaltung des Petőfi Literary Fund und des Collegium Hungaricum Berlin. Kooperationspartner: Europa Verlag und KLAK Verlag

29. Mai 2021, Samstag, 20:30
die naTo, Karl-Liebknecht-Straße 46, 04275 Leipzig // online
Apropos Casanova
Lesung und Gespräch 

Maskenspiel und biographische Phantasien des ungarischen Erzählers Miklós Szentkuthy. 

Der ungarische Romancier und Essayist Miklós Szentkuthy (1908-1988) gilt als Vorbild der Schriftstellergeneration aus der Spätphase des Kalten Krieges (Péter Nádas, Péter Esterházy und László Krasznahorkai). Thomas Mann, über dessen Joseph-Geschichten Szentkuthy 1948 einen Essay verfasst hatte, sprach ihm ein Jahr später seine Bewunderung aus: „Nun, hier ist ein wirklich amusabler, ein sehr wacher, sensitiver, empfänglicher Geist, der im höchsten Sinne Spaß versteht.“ Mit „Apropos Casanova“ tauchen wir ein in den phantastischen Kosmos eines kühnen Erzählers, der in der Lektüre der Memoiren Casanovas sein höchst subjektives Spiel mit der Sprache und der Geschichte treibt. Zu entdecken ist ein literarischer Kosmopolit, ein ungarischer Borges, ein zu jeder Zeit Unzeitgemäßer. Die für die Erstübertragung von Apropos Casanova für den Preis der Leipziger Buchmesse nominierte Übersetzerin Timea Tankó im Gespräch mit dem Literaturhistoriker György Dalos. Moderation: Lothar Müller 

Eine gemeinsame Veranstaltung des Petőfi Literary Fund und des Collegium Hungaricum Berlin. Kooperationspartner: Die Andere Bibliothek

Miklós Szentkuthy: Apropos Casanova. Das Brevier des Heiligen Orpheus. Aus dem Ungar. vom Timea Tankó erstübersetzt. Mit einem Nachw. von György Dalos. Berlin: Die Andere Bibliothek, 2020. ISBN: 978-3-847704270 

Noémi Kiss, geboren 1974 Gödöllő, Ungarn, ist eine ungarische Schriftstellerin. Sie studierte Hungarologie, Komparatistik und ­Soziologie u.a. in Konstanz. Seit 2000 ist sie Do­zentin für Vergleichende Literaturwissenschaft an der Univer­sität Miskolc. 2014 war sie Writer in Residence des Literaturhauses Zürich und der Stiftung PWG. Ihre Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Auf Deutsch erschien u. a.: „Was geschah, während wir schliefen" (Matthes & Seitz Berlin, 2008) in der Übersetzung von Ágnes Relle, „Schäbiges Schmuckkästchen. Reise in den Osten Europas. Bukowina – Czernowitz – Galizien – Gödöllő – Lemberg – Siebenbürgen- Vojwodina" (Europa Verlag, 2015), „Dürre Engel" Roman. (Europa Verlag, 2018) und „Balaton“ Novellen (Europa Verlag, 2021) jeweils in der Übersetzung von Eva Zador.

Anna Terék, geboren 1984 in Bačka Topola (Vojvodina), ist eine ungarische Lyrikerin und Dramatikerin. Sie studierte Psychologie in Budapest, wo sie derzeit auch lebt. Sie publizierte bisher zwei Bände mit Theaterstücken sowie zwei Gedichtbände. Ihr Debütband „Mosolyszakadás“ (Unterbrochenes Lächeln) erschien 2007. 2011 folgte der Band „Duna utca“ (Duna Street), für den sie im selben Jahr den Ervin Sinkó Preis erhielt und zuletzt „Halott nők“ (Tote Frauen, Novi Sad / Újvidék: Forum 2017). Ihr erstes Stück „Die Besten sollen sich melden” wurde 2013 am Serbischen Nationaltheater in der Vojvodina uraufgeführt. Im Frühjahr 2020 erschien der Gedichtband „Tote Frauen“, in der Übertragung von Eva Zador und der Lyrikerin Orsolya Kalász, auf Deutsch und war unter den Lyrik-Empfehlungen 2021 der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, die am 21. März, zum Welttag der Poesie bekannt gegeben werden. Die Empfehlung von Uljana Wolf ist hier zu lesen. 

Timea Tankó, geboren 1978 in Leipzig, verbrachte ihre Kindheit in Ungarn und Deutschland. Sie studierte in Leipzig Kulturwissenschaften und Übersetzung (Französisch, Spanisch). Neben Übertragungen u. a. von Werken György Dragománs, Antal Szerbs und István Keménys ins Deutsche brachte Timea Tankó z. B. auch Texte Esther Kinskys ins Ungarische. 2019 wurde sie bereits für die Übersetzung des Romans „Löwenchor“ von György Dragomán für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. 2021 ist sie in der Kategorie Übersetzung wieder unter den fünf Nominierten. 2020 wurde sie mit dem Exzellenzstipendium des Deutschen Übersetzerfonds ausgezeichnet.