Gárdonyi-Jubiläumskonzert

Die Nacht der Orgeln in Berlin

Datum: 23 Mai
Zeitpunkt: 17:30
Ort:  Evangelische Auenkirche Berlin
Wilhelmsaue 118a, 10715 Berlin

Am Pfingstsamstag findet in Berlin als Teil der internationalen Nacht der Orgeln ein besonderes Konzert statt, das auf drei Musikerjubiläen dieses Jahres verweist: 2026 fällt der 80. Geburtstag von Zsolt Gárdonyi mit dem 120. Geburtstag und dem 40. Todestag seines Vaters Zoltán Gárdonyi zusammen.

Zoltán Gárdonyi, Kompositionsschüler von Zoltán Kodály und Paul Hindemith, gilt heute als eine der herausragenden Gestalten in der protestantischen Kirchenmusik des 20. Jahrhunderts. In seinen farbenreichen Kompositionen verbinden sich die Luther-Lieder und die Genfer Psalmen auch mit ungarischen Stilelementen. Sein Sohn Zsolt Gárdonyi setzt dieses Erbe als Komponist, Organist und Musikpädagoge fort: seine Musik vereint die kirchenmusikalische Tradition mit neuen Harmonien und Impulsen aus der Orgelimprovisation. Sein internationales Wirken bildet zugleich eine besondere Brücke zwischen Deutschland und Ungarn.

Im Zentrum des Programms anlässlich des dreifachen Gárdonyi-Jubiläums 2026 steht die „Herzkammer“ der Orgelmusik, die vielfältige Welt der Choralbearbeitungen. Als Besonderheit dieser Gattung erklingen die Variationen für Violoncello und Orgel von Zsolt Gárdonyi über ein altes ungarisches Kirchenlied und Kompositionen über drei weltbekannte Luther-Choräle. Der Solist des Abends ist der Konzertorganist David Schollmeyer, Landeskirchenmusikdirektor der Bremischen Evangelischen Kirche, dessen Repertoire neben der Musik von J.S. Bach und der französischen Spätromantik auch die Orgelwerke der beiden Gárdonyis umfasst. Im Berliner Jubiläumskonzert wirkt auch ein „rising star“ der jungen Cellisten-Generation, Ildikó Szabó mit.

Die Auenkirche in Berlin ist für ihre hervorragende Akustik und für Ihre monumentale Orgel bekannt. Dieses Instrument repräsentiert die spätromantische deutsche Orgelbaukunst und wurde in den letzten Jahren umfassend restauriert. Nach dem Konzert kann man die Orgel auch besichtigen und näher kennenlernen, überdies stehen sowohl die beiden Interpreten als auch der anwesende Komponist Zsolt Gárdonyi für Gespräche zur Verfügung.

Die Komponisten Zoltán Gárdonyi und Zsolt Gárdonyi

Die Komponisten Zoltán Gárdonyi und Zsolt Gárdonyi

Zoltán Gárdonyi wurde am 25. April 1906 in Budapest geboren und begann sein Studium an der Liszt-Akademie seiner Geburtsstadt mit 17 Jahren in der Kompositionsklasse von Zoltán Kodály. Nach weiteren Studien bei Paul Hindemith in Berlin als Stipendiat im Collegium Hungaricum und nach seinem musikwissenschaftlichen Doktorat 1931 an der Friedrich-Wilhelms-Universität war er bis 1941 Dozent an der Evangelischen Lehrerbildungsanstalt in Sopron (Ödenburg) und zugleich Generalmusikdirektor des Sinfonieorchesters in dieser westungarischen Universitätsstadt. Anschließend wirkte er bis 1967 als Professor für Musiktheorie an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Budapest und leitete dort auch die Abteilung für Protestantische Kirchenmusik bis zu deren Schließung 1948 durch die damaligen Machthaber. Sein kompositorisches Schaffen umfasst neben Orchesterwerken sowie vielfältiger Chor- und Kammermusik auch die verschiedensten kirchenmusikalischen Gattungen, seiner wissenschaftlichen Tätigkeit verdanken die Bach- und Liszt-Forschung richtungsweisende neue Erkenntnisse. Zoltán Gárdonyi lebte mit seiner Familie seit 1972 in Deutschland und verstarb am 27. Juni 1986 im westfälischen Herford.

Zsolt Gárdonyi (geboren am 21. März 1946 in Budapest) war mit 19 Jahren Preisträger des Hochschulwettbewerbes an der Liszt-Akademie in Budapest sowohl im Fach Orgel als auch im Fach Komposition. Seine Begeisterung für die Musik von Frank Martin und Olivier Messiaen sowie seine Begegnungen mit diesen Meistern bedeuteten für sein Wirken entscheidende Impulse. 1979 erhielt Zsolt Gárdonyi den Bayerischen Kompositionspreis und wurde mit 34 Jahren Professor für Musiktheorie an der Hochschule für Musik in Würzburg. Seine internationale Konzerttätigkeit als Organist sowie seine Meisterkurse und Gastvorlesungen an zahlreichen Hochschulen führten ihn über die verschiedensten europäischen Länder bis in die USA und nach Kanada. Im Jahre 2000 hat ihm die Reformierte Theologische Universität Debrecen die Ehrendoktorwürde verliehen. 2011 wurde Zsolt Gárdonyi für sein Lebenswerk, das auf die traditionsreiche Personalunion „Komponist & Organist & Musiktheoretiker“ verweist, mit der Verdienstmedaille der Republik Ungarn und 2022 mit dem Ritterkreuz des Ungarischen Verdienstordens ausgezeichnet.

David Schollmeyer (Orgel) und Ildikó Szabó (Violoncello)

David Schollmeyer (Orgel) und Ildikó Szabó (Violoncello)

David Schollmeyer (*1971) studierte an der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik in Halle (Saale), wo er 1996 das A-Examen und 1998 bei Gundel Zieschang die Künstlerische Reifeprüfung im Fach Orgel ablegte. Ergänzend besuchte er zahlreiche Meisterkurse und entwickelte eine rege internationale Konzerttätigkeit als Organist und Improvisator. Nach Stationen in Ebstorf und Buchholz ist er seit 2014 Kantor und Organist an der Großen Kirche Bremerhaven. Seine 2020 erschienene SACD Bill Evans On The Organ wurde für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik nominiert. 2023 wurde er zum Landeskirchenmusikdirektor der Bremischen Evangelischen Kirche berufen. Mit dem Komponisten Zsolt Gárdonyi verbindet ihn eine mittlerweile 30-jährige Zusammenarbeit, die in zahlreichen Konzerten, einer CD-Produktion, drei Uraufführungen und mehreren europäischen Erstaufführungen, Fachartikeln, gemeinsamen Orgel-Kursen und jüngst in der Herausgabe der 24 Choralbearbeitungen anlässlich Gárdonyis 80. Geburtstag ihren Niederschlag gefunden hat. Schollmeyers Repertoire umfasst Gárdonyis Gesamtwerk für Orgel solo.

Ildikó Szabó studierte ab ihrem 11. Lebensjahr an der Liszt-Akademie in Budapest bei László Mező und besuchte Meisterkurse bei János Starker. 2011 zog sie nach Berlin zu Jens Peter Maintz, später setzte sie ihr Studium in Weimar bei Wolfgang Emanuel Schmidt fort und schloss es im Juli 2023 an der Kronberg Academy ab. Sie trat bei renommierten Festivals wie dem Rheingau-, Schleswig-Holstein- und Verbier-Festival auf und konzertierte in bedeutenden Sälen wie dem Mariinski-Theater, der Wigmore Hall, der Elbphilharmonie und dem Concertgebouw. Als Kammermusikerin arbeitete sie u. a. mit Arnold Steinhardt, Kirill Gerstein und Tabea Zimmermann zusammen. Eine besondere Rolle spielt für sie das ungarische und siebenbürgische Repertoire. Auf ihrem Album Heritage (2020) sind Ersteinspielungen von Werken von György Kurtág und Csaba Szabó zu hören. 2023 nahm sie mit István Lajkó das Gesamtwerk für Cello und Klavier von Beethoven auf, das für den ICMA Award nominiert wurde. Seit Oktober 2023 unterrichtet sie Kammermusik in Weimar und Violoncello am Julius-Stern-Institut der UdK Berlin.

Über die Nacht der Orgeln

Seit ihrem Start im Jahr 2019 hat sich die Nacht der Orgeln zu einem der außergewöhnlichsten Musikfestivals Ungarns entwickelt. Mit Auftritten renommierter ungarischer und internationaler Künstler/innen an zahlreichen Orten in Ungarn und im Ausland bietet sie die Gelegenheit, den Zauber der Orgel einem möglichst breiten Publikum näherzubringen – 2026 bereits auf sechs Kontinenten.

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